Nachhaltigkeitsbewertung als Basis für Kreditanreize im Lebensmitteleinzelhandel

Messbare Klimawirkung macht aus Nachhaltigkeit eine konkrete Grundlage für Investitionen und Finanzierung.
Das Edekabank-Modell verbindet Markt- und Gebäudedaten mit Beratung und finanziellen Anreizen für wirksame Klimaschutzmaßnahmen.
Hinweis: Auf nachhaltiger-einzelhandel.de erfährst du, wie Nachhaltigkeitsdaten im Lebensmitteleinzelhandel in eine belastbare Bewertung übersetzt werden. Im Mittelpunkt stehen das Forschungsmodell mit der Edekabank, die Grad-Zahl und der Klimakredit als Verbindung zwischen Klimaperformance und Finanzierung. Du bekommst außerdem einen Überblick über praktische Hebel, Grenzen und Voraussetzungen.

Warum Nachhaltigkeitsbewertung Kreditentscheidungen erweitern kann

Das Modell hinter der Nachhaltigkeitsbewertung verbindet Klimadaten eines Lebensmittelmarktes mit der Frage, wie eine Bank Investitionen in wirksame Verbesserungen erleichtern kann. Ausgangspunkt war ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt der Leibniz Fachhochschule mit der Edekabank, das von 2022 bis 2025 lief und Verfahren für den Lebensmitteleinzelhandel entwickelte. Bewertet werden nicht nur abstrakte Nachhaltigkeitsziele, sondern konkrete Einflussgrößen, die sich im Betrieb eines Marktes messen und verändern lassen. Damit wird aus Nachhaltigkeit eine Grundlage für Beratung, Investitionsplanung und mögliche finanzielle Anreize.

Der Ansatz ist für den Lebensmitteleinzelhandel besonders relevant, weil Märkte gleichzeitig Strom für Beleuchtung und Kühlung, Wärme für Gebäude und Kältemittel für technische Anlagen benötigen. Im Forschungsprojekt wurden deshalb ökologische Kennzahlen mit Erkenntnissen über Rahmenbedingungen, Einstellungen und Managementmaßnahmen der Kaufleute verbunden. Die Bewertung soll zeigen, wo ein Markt heute steht, welche Maßnahmen den größten Beitrag zur Klimaverträglichkeit leisten können und welche Hürden einer Umsetzung entgegenstehen. Eine Kreditentscheidung erhält so zusätzliche Informationen über den geplanten Transformationsweg, ohne dass Nachhaltigkeit auf ein einzelnes Schlagwort reduziert wird.

Wie die Klimawirkung eines Lebensmittelmarktes bewertet wird

Für die wissenschaftliche Entwicklung wurden qualitative Interviews, quantitative Befragungen und betriebliche Daten kombiniert. In einer Analyse wurden 30 selbstständige Kaufleute mit insgesamt 97 Fragen oder Aussagen zu Rahmenbedingungen, Umwelteinstellung, Technologieaffinität, strategischem Denken, Selbstwirksamkeit sowie Energie-, Sortiments- und Personalmaßnahmen befragt. Die Projektergebnisse zeigen unter anderem Zusammenhänge zwischen einer hohen wahrgenommenen Selbstwirksamkeit und der Bereitschaft zu Energiemaßnahmen, sofern genügend Ressourcen vorhanden sind. Damit berücksichtigt das Modell neben technischen Potenzialen auch, ob und unter welchen Bedingungen Veränderungen im Markt praktisch umgesetzt werden können.

Für die Klimawirkung stehen vor allem Strom, Wärmeenergie und Kältemittel im Mittelpunkt, weil sie bei den untersuchten Scope-1- und Scope-2-Emissionen wichtige Treiber sind. Die heutige Edekabank beschreibt für ihren Klimakredit eine sogenannte Grad-Zahl: Energie- und Wärmeverbräuche sowie Kältemittel werden auf Basis des Vorjahres betrachtet, in Emissionen umgerechnet und zur Gebäudefläche ins Verhältnis gesetzt. Daraus wird ein Temperaturbeitrag abgeleitet, der verdeutlichen soll, ob die Performance des Marktes mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar ist. Die Kennzahl macht komplexe Verbrauchsdaten für Beratung und Investitionsentscheidungen vergleichbarer, bleibt aber auf die betrachteten Klimafaktoren begrenzt.

Vom Bewertungsergebnis zum Kreditanreiz

Die Grad-Zahl als Brücke zur Finanzierung

Der entscheidende Schritt besteht darin, die Bewertung nicht nur zu dokumentieren, sondern mit einem konkreten Anreiz zu verbinden. Im Forschungsprojekt wurden Bankprodukte mit Bonuslogik für die Kreditvergabe und ein Beratungsleitfaden entwickelt, damit bessere Klimaperformance oder wirksame Verbesserungsmaßnahmen einen finanziellen Vorteil auslösen können. Die Edekabank setzt dieses Prinzip heute mit ihrem Klimakredit um: Finanzierungen für Energieeffizienz oder erneuerbare Energien kommen insbesondere dann infrage, wenn die Investition die Grad-Zahl des Marktes verbessert. Bei bereits sehr guter Grad-Zahl können nach Bankangaben auch weitere Zwecke wie Ware oder Inventar einbezogen werden; reiner Liquiditätsbedarf ist ausgeschlossen.

Die Konditionen machen den Anreiz greifbar, müssen aber immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Finanzierungsvorhaben betrachtet werden. Die Edekabank nennt für Finanzierungen über 500.000 Euro eine mögliche Senkung der Finanzierungskosten um bis zu 25.000 Euro und ermöglicht bis zu drei tilgungsfreie Jahre. Zugleich erhält der Markt im Rahmen des Angebots eine Transformationsplanung mit Empfehlungen zur Verbesserung der Grad-Zahl. Nach Angaben der DBU hatten im Projektverlauf bereits mehr als 150 Kaufleute Kredite für nachhaltige Maßnahmen genutzt; das entsprechende Kreditvolumen lag bei mehr als 100 Millionen Euro.

Welche Maßnahmen wirken und wo die Grenzen liegen

Aus den Analysen lassen sich typische Hebel ableiten: Ökostrom, Wärmepumpen oder Wärmerückgewinnung sowie CO2-Kälteanlagen können die energiebezogenen Emissionen eines Lebensmittelmarktes deutlich beeinflussen. Welche Maßnahme zuerst sinnvoll ist, hängt jedoch vom Gebäude, der vorhandenen Technik, den Verbrauchswerten, Investitionskosten und betrieblichen Möglichkeiten ab. Genau hier liegt der praktische Nutzen einer strukturierten Nachhaltigkeitsbewertung, denn sie verbindet Messung und Priorisierung, statt jede Modernisierung pauschal als gleich wirksam zu behandeln. Für dich als Betreiber wird damit nachvollziehbarer, welche Investition die Klimaperformance verbessert und wie sie in eine Finanzierung eingebettet werden kann.

Für Banken bietet das Modell eine mögliche Blaupause, weil es branchenspezifische Daten in einen nachvollziehbaren Beratungs- und Kreditprozess übersetzt. Gleichzeitig sollte die Grad-Zahl nicht mit einer vollständigen ESG-Bewertung verwechselt werden: Soziale Themen, Unternehmensführung, Lieferketten oder das gesamte Sortiment lassen sich durch eine gebäudebezogene Klimakennzahl allein nicht abbilden. Ebenso ersetzt eine Nachhaltigkeitsbewertung keine klassische Prüfung von Tragfähigkeit, Bonität und Kreditrisiko. Ihr Mehrwert liegt darin, Transformationsbedarf sichtbar zu machen, konkrete Maßnahmen abzuleiten und finanzielle Anreize dort einzusetzen, wo messbare Verbesserungen erreichbar sind.

Sustainability Assessment as a Basis for Credit Incentives in Food Retail

Measurable climate impact turns sustainability into a practical basis for investment and financing.
The Edekabank model links store and building data with advice and financial incentives for effective climate action.
Notice: On nachhaltiger-einzelhandel.de, you can learn how sustainability data in food retail can be translated into a robust assessment. The focus is on the research model with Edekabank, the Grad-Zahl and the climate loan as a link between climate performance and financing. You also get an overview of practical levers, limits and requirements.

Why Sustainability Assessment Can Extend Lending Decisions

The model behind the sustainability assessment links climate data from a food store with the question of how a bank can make effective improvement investments easier to finance. Its starting point was a project funded by the German Federal Environmental Foundation and carried out by Leibniz University of Applied Sciences with Edekabank from 2022 to 2025, developing methods for food retailers. Rather than rating broad sustainability promises, the approach focuses on factors that can be measured and changed in day-to-day store operations. Sustainability therefore becomes an input for advice, investment planning and potential financial incentives.

This approach is particularly relevant to food retail because stores simultaneously use electricity for lighting and refrigeration, heat for buildings and refrigerants for technical systems. The research project therefore combined ecological indicators with findings on operating conditions, personal attitudes and management measures among independent retailers. The assessment is intended to show where a store stands today, which measures can make the largest contribution to climate compatibility and which barriers may prevent implementation. A lending process can therefore gain additional information about the planned transformation path without reducing sustainability to a single label.

How the Climate Impact of a Food Store Is Assessed

The scientific development combined qualitative interviews, quantitative surveys and operational data. In one analysis, 30 independent retailers answered a total of 97 questions or statements covering operating conditions, environmental attitudes, technology affinity, strategic mindset, self-efficacy and measures related to energy, product ranges and staff. The project findings indicate, among other things, a relationship between high perceived self-efficacy and the adoption of energy measures when sufficient resources are available. The model therefore considers not only technical potential but also whether and under what conditions changes can realistically be implemented in a store.

For climate impact, electricity, heat energy and refrigerants are especially important because they were major drivers of the Scope 1 and Scope 2 emissions examined in the project. For its current climate loan, Edekabank describes a temperature metric called the Grad-Zahl: previous-year energy and heat consumption plus refrigerant use are converted into emissions and related to the building's floor area. A temperature contribution is then derived to indicate whether the store's performance is compatible with the 1.5-degree target. The metric makes complex consumption data more comparable for advice and investment decisions, while remaining limited to the climate factors it measures.

From Assessment Result to Credit Incentive

The Grad-Zahl as a Bridge to Financing

The key step is to connect the assessment with action rather than simply documenting a score. The research project developed bank products using bonus logic for lending as well as a guidance framework for advisers, so stronger climate performance or effective improvement measures could lead to a financial benefit. Edekabank now applies this principle through its climate loan: financing for energy efficiency or renewable energy can qualify in particular when the investment improves the store's Grad-Zahl. If a store already has a very good Grad-Zahl, the bank states that other purposes such as goods or inventory may also qualify; pure liquidity needs are excluded.

The terms make the incentive tangible, although they always need to be assessed in the context of the individual financing project. Edekabank states that financing above 500,000 euros can reduce financing costs by up to 25,000 euros and may include up to three repayment-free years. The offer also includes a transformation plan with recommendations for improving the store's Grad-Zahl. According to the German Federal Environmental Foundation, more than 150 retailers had already used loans for sustainable measures during the project, representing a credit volume of more than 100 million euros.

Which Measures Work and Where the Limits Lie

The analyses point to several recurring levers: green electricity, heat pumps or heat recovery, and CO2 refrigeration systems can materially affect the energy-related emissions of a food store. Which measure should come first depends on the building, installed technology, consumption data, investment costs and operational constraints. That is where a structured sustainability assessment becomes useful, because it links measurement with prioritisation instead of treating every modernisation project as equally effective. For you as an operator, it becomes easier to understand which investment improves climate performance and how that investment can be integrated into financing.

For banks, the model offers a potential blueprint because it translates sector-specific data into a transparent advisory and lending process. At the same time, the Grad-Zahl should not be confused with a complete ESG assessment: social issues, governance, supply chains and the full product range cannot be captured by a building-focused climate metric alone. A sustainability assessment also does not replace conventional checks on debt-service capacity, creditworthiness and lending risk. Its value is to make transformation needs visible, derive specific measures and use financial incentives where measurable improvements can realistically be achieved.

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